Gemeinnütziges und freiwilliges Engagement mit hohem Zukunftspotenzial

Nach einem Jahrhundert des Ausbaus staatlicher Leistungen kommt der Staat an seine Grenzen. Das freiwillige gemeinnützige Engagement erhält deshalb mehr und mehr Bedeutung.

(Dorfzytig Oberwil, „Seesicht“, Nr. 3-2019, Juli 2019)

Erfreulicherweise hat die Freiwilligenarbeit im Kanton Zug bereits heute einen hohen Stellenwert, indem sich beinahe 40 Prozent der Bevölkerung engagieren, so gemäss dem Verein Benevol Zug. Dieser seit 2001 bestehende Verein ist die Drehscheibe für Freiwilligenarbeit und vergibt jährlich den Freiwilligenpreis „Prix Zug engagiert“. Die Anerkennung für das freiwillige Engagement wächst. So wurde in Europa das Jahr 2011 als „Europäisches Jahr der Freiwilligkeit“ ausgerufen. Und der Schweizerische Gemeindeverband erklärt das laufende Jahr zum „Jahr der Milizarbeit“.

Politisches Engagement im Milizsystem

Das nebenamtliche Engagement im politischen Bereich wird mit dem Begriff der Miliztätigkeit umschrieben. Dieser aus dem Militärischen stammende Begriff (lateinisch militia = Krieg, Dienst, Amt) hat sich vom Milizdienst in der Armee auf die politischen Ämter ausgedehnt, welche meist nebenamtlich ausgeübt werden, vor allem auf Gemeindeebene. Auf nationaler Ebene beanspruchen National- und Ständeratsmandate zwar 50% und mehr, jedoch stehen die Parlamentsmitglieder meistens noch mit einem Bein im Beruf. Diese Milizsystem gilt als fester Bestandteil der Schweizer Polittradition und -kultur und gewinnt gerade mit dem erwähnten „Jahr der Milizarbeit“ zu Recht besondere Aufmerksamkeit.

Gemeinnützige Arbeit mit langer Tradition

Während die Miliztätigkeit das Engagement für politische Gremien beschreibt, umfasst die freiwillige und gemeinnützige Arbeit jegliches ehrenamtliche Wirken ausserhalb der staatlichen Strukturen. Dieses gemeinnützige Engagement hat eine lange Tradition: Vor mehr als zweihundert Jahren wurde die Schweizerische Gemeinnützige Gesellschaft gegründet. Es folgten viele kantonale Gründungen, so in Zug die Gemeinnützige Gesellschaft (GGZ) im Jahr 1884. Diese Gesellschaften hatten ursprünglich die Armutsbekämpfung sowie die Förderung von Bildung, Erziehung und wirtschaftlichem Fortschritt zum Zweck. Damals waren die staatlichen Aufgaben noch sehr beschränkt. Und die gemeinnützigen Gesellschaften übernahmen dank Privatinitiative viele Aufgaben im öffentlichen Interesse, die heute selbstverständlich dem Staat überbunden sind.

Innovative Formen der Engagements

Das freiwillige Engagement wird in Zukunft noch wichtiger. Wegen der Überalterung der Gesellschaft wird die Grenze dessen, was die erwerbstätigen Generationen durch Steuern und Sozialabgaben leisten können, überschritten. Zudem sind viele Personen nach ihrer Pensionierung noch fit und finden sinngebende Aktivitäten. Gleiches gilt für Personen, welche bereits vor dem Pensionierungsalter nicht zwingend auf ein volles Erwerbseinkommen angewiesen sind. Viele Bereiche wie Soziales, Sport und Kultur könnten ohne ehrenamtliches und freiwilliges Engagement gar nicht bestehen. Hervorragendes Beispiel ist die ehrenamtliche Arbeit des Vorstandes und vieler Helferinnen und Helfer der Oberwil Rebells in der Sport- und Jugendarbeit – seit fast 20 Jahren!

Eine interessante Art der Entschädigung für persönliches Engagement hat die KISS Genossenschaft Zug ins Leben gerufen: Die Begleitung und Unterstützung älterer Menschen wird mittels Zeitgutschriften abgegolten. Diese Zeitgutschrift kann die unterstützende Person später bei Bedarf selber wieder beziehen. Deshalb spricht man auch von der «geldfreien 4. Vorsorgesäule». Mit solchen innovativen Ansätzen kann nicht nur ein Anreiz für das persönliche Engagement geschaffen, sondern auch die Solidarität in der Gesellschaft gefördert werden. Dieser interessante Ansatz der Entschädigung durch Zeitgutschriften kann auf alle Bereiche der gemeinnützigen Arbeit ausgedehnt werden und hat deshalb ein hohes Zukunftspotenzial.

Matthias Michel

Quellen:

www.benevolzug.ch

https://www.chgemeinden.ch/milizsystem/

https://kiss-zug.ch